Es waren Tagträume. Aufgelöst und unwiederbringlich verblassten sie, aber sie hinterließen dunkle Flecken auf der Seele. Eine Rohheit und Brutalität des Alltags schlich sich durch die Ritzen der Normalität, während ich im Stimmungsrauschen ertrank. Assoziative Zusammenhänge lösten sich auf wie Zucker im Regen.

Die Sprache ging nach langem Schweigen verloren. Der Habitus begann zu wirken. Dieses Nichts, diese Unfähigkeit, diese Banalität. Wortfragmente fielen wie Herbstlaub auf sandigen Boden. Erinnerungsfetzen versanken im Schlamm. Gedankensplitter zerbrachen wie Glas unter den Füßen. Wo war die Freude geblieben? Der Gedanke an die eigene Abwesenheit in naher Zukunft fand im Labyrinth des Seins kein Echo. Stimmungsrauschen – all überall.

Eine Ansammlung von Wörtern und Begriffen. Jeden Tag versuchte ich, Ordnung zu schaffen und die Gedankenfragmente dabei wegzulegen, um diesem Gefühl, diesem Etwas, diesem Unbekannten, diesem Unerreichbaren näherzukommen. Gedankenfetzen, Gedankenlügen, Erinnerungsschnipsel, Gedankenlücken, Erinnerungssumpf, Erinnerungsschlamm, Zukunftsgeschwätz.

Wortlosigkeit. Unaufmerksame Gedanken. Rückstand. Gab es überhaupt je etwas zu sagen? Ich war unvorbereitet. Bis in die Gegenwart.

Die Präsenz der Machthaber blieb greifbar, fast körperlich spürbar gar. Ihre Überwachung allgegenwärtig, ihre Menschlichkeit hatten sie längst verloren.

Sinnlos wartete ich auf etwas, das mit Sicherheit kommen würde. Dass sich ein Unheil anbahnte, das mit Sicherheit bereits im Hintergrund bestand, wie ich glaubte. Dass ein Versprechen in sich geborgen hielt, schien vorausgesetzt. Probewarten, gedankliche Erkundungen in einer Scheinexistenz.

Die Umgebung schien indes in Normalität zu verharren. Das Kind, das spielte, das Haus, der Garten, der Frühling, der zögerlich kam, die Blumen, die wuchsen. Nur im Kopf entwickelte sich ein Zerfall.

Während draußen das Leben pulsierte, vollzog sich eine schleichende Auflösung. Die Gedanken glichen welken Blättern, die sich vom Ast lösten, lange bevor der Herbst dazu schwieg. Der Kontrast zwischen der blühenden Außenwelt und der Erosion des Geistes konnte nicht schroffer sein – als existierten zwei Welten synchron, die sich nie berührten.

Die Welt um mich herum spielte ihre trügerische Rolle: Ein Kind lachte im Frühlingslicht, hüpfte unbeschwert durch den windzerzausten Garten. Mich erreichte ihr Lachen nicht. Der Erinnerungssumpf vergangener Zeiten löste sich auf, wie der Nebel am kalten Morgen.

Mit lähmender Gewissheit wartete ich auf das Unvermeidliche – wie ein Zuschauer, der den Ausgang eines Films bereits kennt. Das kommende Unheil warf seine Schatten voraus und trug die absurde Deutlichkeit einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung in sich. Es war wie eine dunkle Erklärung, die mir die Zeit zugedacht hatte. Der Gedanke war erdrückend, dass es in diesem Augenblick keine Zukunft zu geben schien.

Das Haus stand fest und unverrückbar, wie ein Mahnmal für die Erben. Der Frühling entfaltete sein ewiges Ritual. Die Erde brach auf, die Blumen streckten ihre Köpfe dem Licht entgegen. Die Natur lebte und liebte in all ihrer unbefangenen Schönheit. Doch ich wirkte nach meinen Maßstäben, nach meinem Glauben.

Diese Winkelzüge des Staates! Je mehr ich erfuhr und wusste, desto klarer wurde, wie töricht die Welt und wie bedenkenlos die Menschen waren. Die Machthaber hatten ihre eigenen Vorstellungen, die jede Menschlichkeit negierten. Sie hatten unbegrenzte Möglichkeiten, sich einen zu holen. Wo hätte dieser Schutz finden können vor solchen Regenten? Eigentlich hätte ich mich zum Begräbnis hinsetzen müssen. Auch diese Möglichkeit war begrenzt und wollte kontrolliert werden.



Sie können den Podcast anhören, der mit dem obigen Blogbeitrag verlinkt ist.

>> Podcast 1

>> Podcast 2